Plädoyer für die deutsche Kulturpolitik

Rede zur Tagung der Reichskulturkammer in Berlin

l. Mai 1939

 

        In einer Zeit starker internationaler Spannungen feiert das deutsche Volk in diesem Jahre am l. Mai seinen Nationalfeiertag. Allerdmgs werden wir durch diese internationalen Spannungen innerlich nicht im mindesten berührt, wenngleich es sich bei ihnen in der Hauptsache um uns handelt, um unser Ansehen, um die Macht und die Größe des Reiches und der deutschen Nation. Das deutsche Volk selbst ist gegen die internationale Hetze und Kriegshysterie, die durch die Lügenpresse in London, Paris und New York systematisch betrieben und entfacht wird, gänzlich immun. Es ruht sicher und fest in seiner eigenen Kraft. Es weiß, daß ihm genügend Machtmittel zur Verfügung stehen, um seine Ehre und seine nationale Existenz in jedem Falle zu verteidigen. Daraus entspringt auch das Ge­fühl jener souveränen Überlegenheit, das unser Volk der Demokratie und ihren Wortführern gegenüber empfindet.

        Deutschland hat seit dem Jahre 1933 einen steilen Weg zu einem un­vorstellbaren Machtzuwachs angetreten. Damals war es noch ein ohn­mächtiges Volk, gequält und gedemütigt am Boden liegend. Heute ist es ein Volk in Waffen.

        Zwar sagt das Sprichwort: Inter arma silent musae, wenn die Waffen das Wort ergreifen, haben die Musen zu schweigen. Aber das ist nur be­dingt richtig. Denn es kann nicht bezweifelt werden, daß politische und militärische Blütezeiten auch fast immer kulturelle Blütezeiten in ihrem Gefolge nach sich ziehen. Die Macht ist nicht nur ein rein mechanischer Ausdruck der Kraft und des Ansehens einer Nation. Auch in der Macht kann die Kultur eines Volkes ihren Ausdruck finden. Denn die Macht ist die Voraussetzung eines wirklichen und dauerhaften Friedens. Der Frieden aber erst gibt dem Volke jene innere Sicherheit, die ihm die Kraft verleiht, nicht nur Kultur zu beschützen, sondern auch Kultur zu schaffen.

        Darum auch geht im neuen nationalsozialistischen Deutschland der Aufbau der Macht mit dem Aufbau der Kultur Hand in Hand.

        Es hätte das allerdings auch anders sein können. Die nationalsozialisti­sche Bewegung, die heute den Staat führt, hätte im Jahre 1933 angesichts der großen und fast entmutigenden Probleme, vor die sie gestellt war, die Berechtigung gehabt zu erklären, daß die Fragen wirtschaftlicher, politischer und militärischer Natur die vordringlicheren seien, und daß sie zuerst gelöst werden müßten, ehe Staat und Partei an eine generelle Lösung der in Frage stehenden Kulturprobleme herantreten könnten. Man hätte also mit Fug und Recht und ohne sich einem Vorwurf der Mit- und Nachwelt auszusetzen, die Inangriffnahme der Probleme der Kultur auf später verschieben und sich vorerst mit ganzer Kraft den Aufgaben des wirtschaftlichen, politischen und militärischen Aufbaus widmen können. Es hat damals auch nicht an Ratgebern gefehlt, die diese Verfahrens­weise vorschlugen. Sie erklärten vor allem, daß es notwendig sei, die Finanzkraft des Reiches vorerst lediglich auf die unmittelbar zur Ent­scheidung stehenden Probleme des materiellen Daseins unseres Volkes zu konzentrieren und sie nicht dadurch zu zersplittern, daß man sie zum Teil auch für die Lösung kultureller Probleme in Ansatz brachte. Denn es ist ja allgemein bekannt, daß der Aufbau einer Volkskultur Geld kostet. Aber es bedeutet eine rein mechanische Auffassung von der Kultur, wenn man behaupten wollte, daß das für sie verwandte Geld nicht früher oder später einmal seine Zinsen tragen würde. Vor allem aber heißt es, die Aufgaben eines Volkes vollkommen aufsplittern, wenn man glaubt, man könne sie nach ihrer verschiedenwertigen Dringlichkeit auch in ihrer In­gangsetzung beliebig unterteilen. Der Neuaufbau eines Volkes muß die Nation in allen ihren verschiedenen Lebensäußerungen total umfassen. Hier haben Politik, Kultur, militärischer Aufbau und Wirtschaft Hand in Hand zu gehen. Allerdings hat dann die Staatsführung die besonders wichtige und ausschlaggebende Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Ge­setze des Ineinanderwirkens dieser verschiedenen Funktionen des öffent­lichen Lebens klar und präzise auch ein Funktionieren dieser Funktionen garantieren.

        Der nationalsozialistische Staat hat es sich deshalb besonders angelegen sein lassen, die Fragen des öffentlichen Lebens insgesamt dem Wohl des Volkes und den Bedürfnissen der nationalen Gemeinschaft unterzuordnen. Es liegt auf der Hand, daß damit bestimmte Begrenzungen festgelegt wurden und die Politik vor allen anderen Funktionen unseres Volkslebens den Primat für sich beanspruchen mußte.

        Und hier gerade setzt die demokratische Kritik, besonders unserer westlichen Nachbarn, ein. Sie behaupten mit viel Pathos, daß es ihre besondere Aufgabe sei, die Kultur, die sie in Erbpacht genommen zu haben vorgeben, gegen die autoritären Staaten in Schutz zu nehmen. Es ist das eine geradezu lächerliche und beleidigende Arroganz angesichts der Tatsache, daß ausgerechnet in den Staaten, die über das reichste Kulturleben der Vergangenheit verfügen, die autoritäre Staatsform zum Durchbruch gekommen ist, während in den Staaten, die zum Teil wenig­stens fast ausschließlich von der Kultur dieser genannten Staaten leben und mitzehren, die Demokratie sich noch am Ruder befindet. Wenn bei­spielsweise amerikanische Publizisten die deutsche Kultur gegen den Nationalsozialismus in Schutz nehmen zu müssen behaupten, so ist das so ungefähr die arroganteste Frechheit, die man sich überhaupt nur vor­stellen kann. Amerika besitzt bis zum heutigen Tage nur in gewissem Umfange ein eigenes, artgebundenes Kulturleben. Es hat weder auf musi­kalischem noch auf dichterischem, noch auf dem Gebiete der bildneri­schen Kunst nennenswerte Beiträge zum Kulturbesitz des Abendlandes beigesteuert, von denen man voraussagen könnte, daß sie Jahrhunderte überdauern werden. Seine Zivilisation ist zum größten Teil das Ergebnis der durch die Jahrhunderte geleisteten Vorarbeit der europäischen Völker. Wenn also Amerika behauptet, gegen Deutschland oder Italien die europäische Kultur in Schutz nehmen zu müssen, so ist doch wohl die Frage erlaubt, ob es nicht angebrachter wäre, wenn Amerika sich befleißigte, vorerst einmal selbst eine Kultur zu schaffen, die zu beschützen dann allerdings seine nationale Pflicht wäre. Solange das nicht der Fall ist, besteht für uns keinerlei Veranlassung, auf diese großsprecherischen Redensarten überhaupt einzugehen, da sie gänzlich ohne Substanz sind.

        Auch die Behauptung der Demokratie, daß in den autoritären Staaten die Freiheit des Geistes unterdrückt sei, vermag im nationalsozialistischen Deutschland keinerlei Eindruck mehr zu machen. Die Freiheit des Geistes hat gewiß in den autoritären Staaten da eine Begrenzung gefunden, wo sie sich mit den nationalen Interessen stößt. Wenn sie in der Demokratie an diesem Punkte nicht begrenzt wird, so doch dort, wo sie sich mit den kapitalistischen Interessen in Widerspruch setzt. Und es sei hier die Frage erlaubt, was für den geistigen Arbeiter angenehmer und ehrenvoller ist: seine geistige Arbeit dem nationalen Wohl eines ganzen Volkes oder dem kapitalistischen Interesse einer kleinen anonymen Geldclique unter­zuordnen.

        Jedenfalls können wir mit Fug und Recht behaupten, daß der deutsche Geist kaum in einem Zeitalter eine breitere Entfaltungsmöglichkeit ge­funden hat als in dem des Nationalsozialismus. Das weiß bei uns auch jeder geistige Arbeiter und jeder künstlerische Mensch. Wer das Gegenteil behauptet, rechnet meistens zu jener zahlenmäßig kleinen Schicht von Intellektuellen, die wahre Geistigkeit mit intellektueller Kompliziertheit verwechseln und dabei die starken und bewegenden Kräfte des Herzens dem kalt berechnenden Verstand unterordnen.

        Es ist notwendig, diese scharfe Unterscheidung zu treffen. Denn der Intellektualismus darf schon aus Gründen der Billigkeit in keiner Weise mit der nationalen Intelligenz gleichgesetzt werden. Die nationale Intelli­genz hat in den vergangenen Jahren auf allen Gebieten unseres öffent­lichen Lebens wahre Wunder geschaffen. Der liberal-demokratische Intellektualismus, soweit er auch bei uns noch in kleinen Überbleibseln vorhanden ist, beschränkte sich während dieser Zeit darauf zu kritisieren und im übrigen seine Vorbilder in einer westlichen Demokratie zu suchen, die nicht nur politisch, sondern auch geistig, künstlerisch und kulturell längst schon abgedankt hat. Denn Kultur hat ihrem Wesen nach nichts mit Wissen und vor allem nichts mit kalter Intellektualität zu tun. Kultur ist die tiefste und reinste Lebensäußerung eines Volkstums. Erst in ihrer Verbindung mit den nationalen Kräften eines Volkes gewinnt sie ihre echte Bedeutung. Und es war das Vorrecht des Nationalsozialismus, •diesen Begriff aus seiner demokratisch-liberalen Verzerrung herauszu­heben und ihn in seiner ursprünglichen Bedeutung wieder neu zu prägen. Schon deshalb brauchen wir keine demokratischen Lehrmeister für die Entwicklung unseres volkskulturellen Lebens.

        Das bezieht sich vor allem auf die Arbeit der Presse. Wenn der Journa­list im nationalsozialistischen Deutschland dem Staate, dem Volke und seinen Interessen dient, so ist das eine ehrenvolle Aufgabe, die ihn dem Soldaten oder dem Beamten berufsmäßig gleichsetzt. Da der Journalist in demokratischen Staaten gewissermaßen nur der Schreibkuli anonymer Kapitalmächte ist, kann hier von einer ehrenvollen Aufgabe überhaupt nicht mehr die Rede sein. Er muß das schreiben, was von ihm verlangt wird, und er weiß nicht einmal, wer es von ihm verlangt. Eine Freiheit der Presse existiert also in der Demokratie nur auf dem Papier.

        Die Freiheit des Geistes ist in den liberalen Staaten lediglich eine Fiktion, die ausschließlich dazu dient, dem intellektuellen Pöbel einen Zustand zu suggerieren, der in Tatsache gar nicht mehr vorhanden ist.

        Doch wozu soviel der Worte. Wir erachten es nicht für unsere Aufgabe, uns mit der Demokratie über Theoreme in Streitigkeiten einzulassen. Am Ende beweist nur der Erfolg die Richtigkeit eines eingeschlagenen Weges; und ich glaube, was den Erfolg betrifft, brauchen wir uns auch in unserer kulturellen Leistung vor der Demokratie nicht nur nicht zu ver­stecken, sondern wir haben ihr gegenüber einen Vorsprung errungen, der gar nicht mehr einzuholen ist. Ein blühendes deutsches Theaterleben, ein kühn aufstrebender deutscher Film, eine Großmacht Presse, die den nationalen Interessen dient, ein über das ganze Volk verbreiteter deut­scher Rundfunk, eine schöpferische Musik, die aus den Ursprüngen großer Meister hervorgegangen ist und sich wiederum auf den Urbegriff der Musikalität, auf die Melodie, zurückbesonnen hat, ein reiches, auf­strebendes deutsches Schrifttum, eine der Schönheit und der Harmonie dienende deutsche Malerei, eine junge revolutionäre und schöpferische Plastik und vor allem eine Architektur, die mit ihren monumentalen Bauten, Projekten und Entwürfen bereits ein ganzes Volk in Atem hält, das sind die sichtbaren Zeichen eines kulturellen Aufbauwerkes, das einzigartig in der Welt des 20. Jahrhunderts ist. Der Nationalsozialismus hat das Wunder fertiggebracht, die Technik dieses Jahrhunderts, die schon im Begriff stand, den modernen Menschen sich vollkommen bot­mäßig zu machen, aufs neue zu beseelen und sie mit dem Geist nicht nur der Zweckmäßigkeit, sondern auch der ästhetischen Schönheit zu er­füllen. Die edle und kühne Harmonie unserer monumentalen Straßen und Brücken ist ein überzeugender Beweis dieses riesigen Umwandlungs­prozesses im Verhältnis eines Volkes zur Technik.

        Was haben im Ernst unsere demokratischen Kritiker demgegenüber aufzuweisen? Und dabei muß betont werden, daß das, was bisher auf diesem Gebiet in Deutschland geleistet wurde, lediglich ein Anfang war. Während die Demokratie nur schwätzte, haben unsere Theater gespielt und die Massen durch ihre festlichen Darbietungen unterhalten, erbaut und erhoben, haben wir Filme produziert, deren Weltgeltung nicht mehr bestritten werden kann, wurde in Deutschland gedichtet und musiziert, gemalt und gebaut. Und man braucht nur die Frage aufzuwerfen, was in hundert Jahren noch von dem demokratischen Zeitungsgewäsch übrig­geblieben sein und was von den Werken unseres kulturellen Aufbaus hundert Jahre und mehr überdauern wird, um einwandfrei festzustellen, welche Seite hier das Recht hat, überheblich zu sein und mit souveräner Verachtung auf die anderen herabzublicken.

Dabei sind wir nicht im geringsten etwa selbstgerecht. Wir kennen unsere eigenen Schwächen besser als irgend jemand anders. Wir ringen mit tiefster innerer Kraft und größter Verantwortlichkeit um ein neues Lebens- und Kulturgefühl unseres Volkes. Wir wollen dem 20. Jahrhun­dert, das in seinem ganzen Stil noch keinen einheitlichen Ausdruck gefunden hat, ein wirklich sinngemäßes Gepräge geben. Demgegenüber aber steht die Demokratie noch im 19. Jahrhundert. Sie ist das letzte Überbleibsel einer Zeitepoche, die geistig und seelisch auch von den Völkern, die noch mit ihr gesegnet sind, längst überwunden wurde. Was sie mit frecher Überheblichkeit uns gegenüber als modern ausgibt, strömt schon den Fäulnisgeruch der Verwesung aus. Ihre lauten Schlag­worte wirken auf den modernen Menschen schal und abgebraucht. Ihre Kultur ist ein Gemisch aus Armeleutegeruch und Halbweltparfüm, das in seiner Zusammensetzung nur penetrant und übelkeiterregend wirkt. Die Demokratie ist zwar reich, aber sie ist in ihren kulturellen Äußerun­gen und Leistungen auch steril und phantasielos. Sie hält sich den mo­dernen europäischen Staatsauffassungen gegenüber nur noch durch ihr Beharrungsvermögen und durch eine gewisse starre Dogmatik, die aller­dings nicht mehr die vitale Kraft besitzt, starke Lebenszeichen von sich zu geben.

        Es liegt uns nichts ferner, als der Demokratie, die sich zum ungerufenen Splitterrichter über uns aufwirft, etwa gute Ratschläge zu erteilen. Aber ebensowenig erwarten und akzeptieren wir solche von ihr. Wir sind in unserem ganzen Geschmacks-, Stil- und Kulturempfinden längst über sie hinaus. Sie wirkt auf uns nur noch skurril -und macht den Eindruck, daß sie mit der Zeit reichlich alt geworden ist. Ihre falsche Moral erscheint uns wie eine dicke und auffällige Schminke, mit der die zahlreichen Falten und Runzeln in ihrem etwas verlebten Gesicht über­deckt werden sollen.

        Wir aber sind jung, unsere Aufbauwerke sind stark und einer impul­siven Schaffenskraft entsprungen. Wir haben zwar hier und da Fehler gemacht und Rückschläge erlitten, aber wir sind doch nicht selbstgenüg­sam gewesen und haben uns nicht in unserer Eigengefälligkeit gesonnt. Wir haben die kulturellen Probleme, die unsere geistige Welt und vor allem unser Volk betreffen, mit Mut und Tatkraft angepackt. Wir haben Kultur gewollt, aber wir haben auch Kultur geschaffen. Und diese Auf­gabe war nicht lediglich eine Angelegenheit der deutschen Intelligenz, sie wurde unter unserer Führung Sache des ganzen Volkes.

        Wo aber käme das stärker zum Ausdruck, als am l. Mai, dem großen Feiertag der deutschen Nation? Ringsum in allen Städten und Dörfern des Reiches steht nun das Volk auf den Straßen und Plätzen und wartet auf den Anruf, den Sie, mein Führer, an es richten wollen.

        Der l. Mai selbst ist in wenigen Jahren schon eine der stärksten Aus­drucksformen unseres deutschen Kulturwillens geworden. Wenn an ihm sich das Volk versammelt, dann dürfen die geistigen Arbeiter unter ihm nicht fehlen. Es ist deshalb kein Zufall, daß mitten zwischen den beiden großen traditionellen Kundgebungen des l. Mai, der Kundgebung der Jugend und der Kundgebung des Volkes, sich brauchgemäß die Kulturschaffenden der deutschen Nation um ihren Führer versam­meln, um ihm ihre Dankbarkeit und ihre Huldigung zum Ausdruck zu bringen.

        Damit komme ich zur Verkündung der Träger des diesjährigen Nationalen Buch- und Filmpreises.

        Der Nationale Buchpreis 1939 wird dem Dichter Bruno Brehm zuerteilt. Seine Österreich-Trillogie ist eine der beachtlichsten Leistungen der modernen deutschen Literatur. Die nationalpolitische Bedeutung dieses Werkes beruht vor allem in seiner scharfen Kritik an der Donau monarchie, die dem alt-reichsdeutschen Leser den Blick für die Gesamt­problematik des Südostraums geschärft hat und damit einen wesentlichen Beitrag zur Vorbereitung der großdeutschen Lösung in diesem Räume zusteuerte. Auch ist die stilistisch-künstlerische Leistung dieses Werkes besonders hervorzuheben, die die einprägsame Lebendigkeit der Geschichtsgestaltung Bruno Brehms bedingt. Bruno Brehm ist über seine literarische Leistung hinaus auch als Mensch eine der soldatischsten Er­scheinungen des deutschen Schrifttums. In Laibach geboren, war er Hauptmann im ehemaligen Österreich-ungarischen Heer und hat später studiert und promoviert. Da er im Vorjahr als damaliger tschecho­slowakischer Staatsangehöriger aus der Debatte über den Staatspreis ausscheiden mußte, ist seine diesjährige Auszeichnung um so sinnvoller, als er als Sudetendeutscher auch zum deutschen Ostraum gehört, der seine endgültige Heimkehr zum Reich in den jüngst vergangenen krisen- und spannungsreichen Monaten vollzogen hat.

        Der Nationale Filmpreis dieses Jahres wird dem Filmregisseur Pro­fessor Karl Froelich für seinen Film "Heimat" zuerteilt. Professor Froelich ist einer der ältesten Pioniere des deutschen Films. Jedes Werk, das aus seiner Hand hervorgegangen ist, trägt seinen besonderen Stempel. Niemals hat er sich zu einer rein handwerklichen Arbeit degradieren lassen. In den vielen Jahren seiner filmschöpferischen Tätigkeit wahrte er immer ein hohes künstlerisches Niveau, das er mit einer souveränen Beherrschung aller technischen Mittel des Films auf das glücklichste zu vereinen wußte. Im abgelaufenen Jahr beschenkte er die deutsche Film­kunst in seinem Film "Heimat" mit seiner reifsten Leistung. Dieser Film wurde auf der letztjährigen Biennale in Venedig mit einem Pokal aus­gezeichnet; er errang damit den Titel eines der besten Filme der Welt­produktion des Jahres.

        Und das mit Recht. In diesem Film vereint sich eine starke, tief­schürfende deutsche Problematik mit einer weisen und überlegenen Menschenführung und einer überragenden schauspielerischen Leistung zu einem einzigartigen Ausdruck wahrer deutscher Filmkunst. Professor Karl Froelich wird damit zum zweitenmal, nachdem er im Jahre 1936 für seinen Film "Traumulus" mit dem Nationalen Filmpreis ausgezeichnet wurde, diese hohe Ehrung zuteil. Er krönt damit ein künstlerisches Leben, das seine höchste Erfüllung in fanatischer Arbeit und selbstsicherem künstlerischen Wirken findet.

        Besonders lobend erwähnt werden muß daneben der Film "Pour le merite" unter der Regie von Professor Karl Ritter. Er zeichnet sich durch eine starke nationalpolitische Tendenz, durch die sichere Erfassung eines Themas aus unserer modernen Geschichte und durch eine kluge und überlegene Darstellungs- und Menschenführung aus. Karl Ritter hat mit diesem Film ein neues Ruhmesblatt in das Buch seiner großen Erfolge eingefügt. Er wurde in Anerkennung seiner künstlerischen Arbeit am 20. April vom Führer zum Professor ernannt.

        Es ist mir ein Bedürfnis, beiden Preisträgern, die bei dieser Gelegen­heit vor der ganzen Nation ehrend ausgezeichnet werden, die herzlichsten Glückwünsche des Führers und des ganzen deutschen Volkes zum Aus­druck zu bringen. Sie haben dem großen Kreis unserer deutschen Kultur­schaffenden wiederum ein leuchtendes Beispiel künstlerischer Höchst­leistung gegeben. Sie sind damit Pioniere unseres kulturellen Aufbau­werkes geworden.

        Damit verbinde ich meinen und den Dank aller deutschen Kultur­schaffenden an Sie, mein Führer. Sie haben im vergangenen Jahr wieder­um das Reich größer und stärker gemacht. Wir können in diesem Jahre den l. Mai in einem Frieden und in einem Glück ohnegleichen feiern. Als wir an Ihrem 50. Geburtstag bei der großen Parade Ihre Soldaten mit ihren neuen Waffen an Ihnen vorbeimarschieren sahen, da ist es uns warm ums Herz geworden. Da wußten wir: Auch unsere deutsche Kultur, blühend und groß geworden in vielhundertjähriger Geschichte, braucht nicht von Pariser, Londoner oder New Yorker Demokraten und Juden beschützt zu werden; die beschützt das deutsche Volk selbst, und zwar mit den Waffen seiner Wehrmacht, nicht mit dem Zeitungspapier, das durch tote Rotationsmaschinen läuft. Und stolz sind wir wieder geworden:

        Stolz darauf, daß über dem Reich, seiner Wirtschaft, seiner Politik und auch seiner Kultur wieder diese starke Wehrmacht steht, und daß den Eingang zu unseren Grenzen ein scharfes Schwert beschützt. Dafür wollen wir Ihnen, mein Führer, heute danken. Ich weiß, wie viele schlaf­lose Nächte Sie dem Aufbau der deutschen Macht geopfert haben. Ich kenne aber auch die ungezählten Stunden in Ihrem arbeitsreichen Leben, die Sie dem Gedeihen und der Blüte der deutschen Kultur widmeten und widmen. Beides kommt nun Ihrem Volke zugute, für das Sie leben und arbeiten.

        So können Sie denn jetzt wie immerdar freudig erhobenen Hauptes unter dieses Volk treten. Sie haben in ihm einen revolutionären Umbruch vollzogen und der Nation damit einen neuen Weg ihres Lebens gewiesen. Wenn Sie jetzt mitten durch die Millionenmassen der Reichshauptstadt fahren, die Sie an den Straßen voll Ungeduld erwarten, dann können Sie mit Stolz sagen:

        Volk, du gabst mir die Macht, und ich gab dir dafür wieder dein Recht!

 

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