
Spielfilme / Third Reich Movies
1933 - 1945
Aufruhr in Damaskus (1939)
Stab:
Regie: Gustav Ucicky
Drehbuch: Philipp Lothar Mayring, Jacob Geis; nach der Vorlage von
Herbert Tjadens (Manuskript)
Produktion: Terra-Filmkunst GmbH
Musik: Willy Schmidt-Gentner
Kamera: Oskar Schnirch, Paul Rischke
Schnitt: Gertrud Hinz
Besetzung:
Brigitte Horney: Vera Niemeyer
Joachim Gottschalk: Leutnant Hans Keller
Hans Nielsen: Hauptmann Schulz
Ernst von Klipstein: Gefreiter von Elmendonck
Paul Otto: Hauptmann Lamberty
Ingolf Kuntze: Stabsarzt Bruckner
Paul Westermeier: Unteroffizier Kroll
Gerhard Bienert: Feldwebel Lemcke
Ludwig Schmid-Wildy: Lachner
Gustav Püttjer: Wolff
Jac Diehl: Deutscher Soldat beim Rückmarsch
Erich Dunskus: Proviantmeister in Damaskus
Friedrich Gnaß: Funker Gerlach
Heinz Welzel: Sterbender Soldat Schulz
Handlung:
Nach einer Idee von Herbert Tjadens, so hieß der Kriegsfreiwillige,
der sich an die Front in Kleinasien meldete und dort Zeuge jenes
grandiosen Kampfes wurde, den die verbündeten Türken und Deutschen gegen
die erdrückende Übermacht der Engländer und der von ihnen durch „Geld
und gute Worte" zu Bundesgenossen gemachten Eingeborenenstämme zu
bestehen hatten. Später, als der Erste Weltkrieg längst beendet war,
verdichtete sich die Erinnerung an die Erlebnisse auf dem
Kriegsschauplatz zwischen Jordan und Mittelmeer zum Entwurf dieses
Films. Tjadens war - wie so mancher- - durch die zupackende Gewalt des
Kriegserlebnisses zum Schriftsteller geworden. Sein Filmentwurf „Aufruhr
in Damaskus" wurde, nach mancherlei Irrwanderungen durch das
unerforschte Land der Filmdramaturgie, von der Terra erworben und dem
Produktionsprogramm 1938/1939 zugeteilt. Ph. L. Mayring gab dem
inzwischen herangewachsenen Drehbuch die letzte Fassung. Aber die
Herstellungsgruppe Otto Lehmann konnte mit dem Film weder ins Atelier
noch zu den Außenaufnahmen gehen, denn ... Aufruhr und Verwirrung waren
in der Welt, in der Zone von Damaskus sowohl als auch anderwärts.
Zwischen Jordan und Mittelmeer knatterten die englischen
Maschinengewehre, diesmal gegen dieselben Eingeborenen, die seinerzeit
für Großbritannien gefochten hatten und die nun endlich die Erfüllung
der ihnen damals gemachten Versprechungen verlangten. Auch sonst wurde
die Welt von dem Fieber einer Krankheit geschüttelt, als deren Ursache
eine chirurgische Behandlung erkannt wurde, für die das „Kollegium von
Versailles" verantwortlich zu machen ist. Erst als sich nach dem
historischen Treffen von München die Wogen der Erregung glätteten,
konnte an die Verwirklichung der Filmidee „Aufruhr in Damaskus" gedacht
werden. Der Bremer Argo-Dampfer „Habicht", den die Terra eigens für den
Film gechartert hatte, verließ seinen Heimathafen, bemannt mit den
Leuten vom Stab des Spielleiters Gustav Ucicky, einigen Darstellern -
die anderen benutzten Eisenbahn, Schiff und Flugzeug - und bepackt mit
Ausrüstungsgegenständen, Uniformen, Filmgerät und - Flaschenbier, denn
es stand zu erwarten, daß es bald heiß zugehen würde. Der „Habicht" war
kein Luxusdampfer. Er war das, was die Seeleute einen „Eimer" nennen.
Und als er in die Biscaya kam, da blies der Wind, da rollten die Brecher
über den Bug des Schiffes, und. die Filmleute segneten den Tag, als die
Meerenge von Gibraltar in Sicht kam. Jetzt konnte sich der „Habicht" in
der Nähe der nordafrikanischen Küste halten, im ruhigeren Gewässer und
fernab von der spanischen Reibungsfläche. Hinter Tunis bog das Schiff
ab, Richtung Tripolis. Als die Ankerketten im Hafen der Hauptstadt
Libyens niederrasselten, war ein langer Stoßseufzer der Erleichterung
unvermeidlich. Man vernahm ihn auch im „Castello", in der Burg von
Tripolis, dem Amtsgebäude der libyschen Verwaltung, und man hatte
Verständnis dafür. Marschall Balbo, von jeher ein begeisterter Freund
Deutschlands, interessierte sich für den Film „Aufruhr in Damaskus" und
sorgte dafür, daß die Filmleute alle nur erdenkbaren Erleichterungen
genossen und daß ihnen die gewünschte Unterstützung auch dann zuteil
wurde, als es sich um die Mitwirkung libyscher Truppenteile handelte.
Brigitte Horney, Gustav Ucicky, Joachim Gottschalk und andere Darsteller
wohnten im Hotel „Mehari" - das heißt „Reitkamel" - und mussten dort
zuschauen, wie sie mit der Platzfrage fertig wurden. Um diese Zeit ist
„Saison" in der Stadt Tripolis, der „weißesten Stadt der Welt", die von
den Italienern sozusagen als stolze Fassade ihrer nordafrikanischen
Besitzung errichtet wurde. Die anderen Leute vom Film blieben auf dem
„Habicht", der damit zum „Filmmutterschiff" ernannt werden konnte. Jeden
Morgen, den das letzte Vierteljahr von 1938 werden ließ, wurden die
Bewohner der „Habicht"- Kabinen von Booten ans Land gebracht, in
Omnibusse und in die Waggons des „Wüstenexpresszuges" verfrachtet und
weit, weit ins Land Hineingefahren. Das Hinterland von Tripolis ist
heute meilenweit bebaut. Die Oase dehnt sich erstaunlich groß hinaus,
Wälder von Dattelpalmen breiten ihren spärlichen Schatten über ein
Ackerland, dem Hunderte von Brunnen das Leben spenden, und hinter den
niedrigen Lehmnauern liegen italienische und arabische Höfe, weiß in der
Glut der Sonne, und warten auf den Regen, den die Filmleute so wenig
gebrauchen können. Das Filmgelände bot sich dar, weit hinter der
bebauten Zone, und die Sonne schien, aber mit Unterbrechung. Und das war
die große Überraschung für alle jene, die noch nicht in Afrika gewesen
waren. Bald aber war man der „Regenzeit" dankbar, daß sie dann und wann
eine kleine kurzfristige Abkühlung brachte, denn die Sonne kann in der
Wüste von fast mörderischer Kraft sein. Gut, man würde eben vier Wochen
oder mehr länger in Tripolis drehen müssen. Viele haben es schon
vergessen, daß hier, wo deutsche Filmleute ein behelfsmäßiges Fort
errichteten, mit Gräben und Brustwehren, Beobachtungsturm und
Drahtverhau, vor etwa zehn Jahren noch gekämpft wurde. Italien hat nach
dem Weltkriege die Provinz Libia, neu gewinnen müssen. Es ist ein Boden,
der oft umkämpft wurde, der seit Jahrhunderten umstritten ist. Sie
machten den Deutschen in der Uniform kleinasiatischer Fronttruppen
allerhand zu schaffen. Bei jedem Schuss, den die hinter ihren Sandsäcken
lauernden Männer abgaben, wehte ihnen eine „Ladung Wüste" ins Gesicht.
Aber sie schossen, was die Flinten hergaben. Sie schossen so freudig,
daß die Munition nachbestellt werden musste. Und die dreihundert Spahis,
die als syrische Beduinen auf das Fort zuritten, konnten Allah dafür
dankbar sein, daß die Munition Filmmunition war. Die Spahis waren aber
gar nicht dankbar. Es bedurfte einiger Überredung, ihnen klarzumachen,
daß sie vor Gräben und Drahtverhau Haltzumachen und schleunigst
zurückzureiten hätten, weil das Drehbuch es so verlangte. Dem „Feind"
den Rücken zeigen? Ausgeschlossen! „Wir sind Söhne eines tapferen Volkes
und denken nicht daran auszureißen!" Mit den eingeborenen Libyern musste
ein langes und ein breites verhandelt werden, bis sie ihre heroische
Haltung aufgaben. Sie ritten heran wie die Teufel. Es wurden herrliche
Aufnahmen. Alle die großen Szenen vom Heldentum deutscher Soldaten, von
der stillen Selbstverständlichkeit der Kameradschaft und der Aufopferung
wurden hier gedreht. Hans Nielsen spielte den tapferen Hauptmann Schulz,
der das Fort erst aufgibt, als ein Befehl des Armeekommandos ihn nach
Damaskus ruft, wo der Aufstand ausgebrochen ist und die Front im Rücken
bedroht. Joachim Gottschalk ist der junge Leutnant Keller, der die
verwegensten Patrouillen ausführt und sich kämpfend nach dem tobenden
Damaskus durchschlägt, verwundet wird und trotzdem die Führung der
kleinen Truppe übernimmt, um sie aus der Umklammerung des Gegners und
bis in die Hefiiat zu bringen. In Babelsberg bei Berlin waren
unterdessen die Atelierbauten für „Aufruhr in Damaskus" errichtet, und
so konnte Gustav Ucicky ohne Pause ins Atelier gehen.
