
Anti-Kitsch-Ausstellung in Köln
Es war der Minister Dr. Goebbels selbst, der sagte, daß es zur Wirksammachung einer Programmforderung nicht eines Kunstwerkes bedürfe, daß nicht die Symbole und Ereignisse, sondern die zugrunde liegenden Ideen Gestalt gewinnen müßten. Nicht also eine billige, anekdotische »Unmittelbarkeit« bestimme den Kunstwert.
Die sehr rührige Kölner Ortsgruppe des »Kampfbundes für Deutsche Kultur« handelt ganz der Meinung des Ministers gemäß, wenn sie weniger nach einem Reglement der Kunstrichtung selber sucht, als den an den Punkten, wo das alltägliche Leben Form annimmt, zusah, ob Maß und Takt nationaler Form dem erstrebten Gehalt der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft entsprachen. Dazu dienten ihr zwei Veranstaltungen.
»Fort mit dem Kitsch!« heißt eine Ausstellung im Kunstverein. Sie ist in zwei Hälften, gleichsam in Schwarz und Weiß geteilt. Links sind in einem Plüsch- und gedrechselten »Salon« alle erdenklichen »nationalen Gebrauchsartikel«, von der Hakenkreuztapete bis zur Wurst mit dem Hakenkreuz - rechts eine moderne Wohnküche, mit einfachem und schmucklosem Gerät und Hitlers Porträt in bescheidener Graphik. Als natürliche Erläuterungen dienen Kinderzeichnungen mit dem Thema »Wie es nicht sein soll«, in deren Alptraumzimmem von fliehender Perspektive dank der Flächenfüllsucht kindlicher Phantasie auf vertrackte Weise Wände, Fußböden und alle Dinge von den Farben Schwarz- Weiß-Rot überzogen und mit spinnenhaften Hakenkreuzen übersät sind. Derweilen erläutert eine wenn auch bisweilen zufällig und in der historischen Deutung fragwürdig gewählte, so doch anziehend zu einem Textfries geordnete Reihe von Fotos die Bedeutung und den Niedergang des Sonnensymbols, von Ägypten über das Mittelalter bis auf unsere Zeit.
Damit scheint die Würde des Symbols, das früher nie an Gebrauchsdingen und erst in neuerer Zeit zu Reklamezwecken verwendet worden ist, in zwingender Weise darzulegen. Die Lehre liegt auf der Hand. Nicht zu Unrecht war eine Werbung für zweckgerechte Wohn- und Geräteform damit verbunden. Freilich muß in diesem Zusammenhang die Frage ungeklärt bleiben, warum und auf welchem Boden erst in neuerer Zeit der Kitsch überhaupt so erwachsen vermochte. Doch die Abwehr des nationalen Kitsches war auf solchem Ausstellungswege zweifellos wirksam.
(Aus: Frankfurter Zeitung vom 18.7.1933)